Voneinander lernen: Delegation aus Myanmar besucht bayerische Drogeneinrichtungen

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Die Entwicklung ist eindeutig: Immer mehr Regierungen wollen sich einer gesundheitsorientierten Drogenpolitik zuwenden. Doch gerade bei der praktischen Umsetzung der entsprechenden Konzepte fehlt es häufig an Expertise. Da Deutschland seit Jahrzehnten einer der Pioniere auf diesem Gebiet ist, setzt die Globale Partnerschaft für Drogenpolitik und Entwicklung (Global Partnership on Drug Policies and Development, GPDPD) auf internationalen Erfahrungsaustausch. In diesem Rahmen besuchte 2019 eine myanmarische Delegation bayerische Drogenhilfeeinrichtungen.

Schadensminimierung in der Drogenpolitik wirkt. Suchtkranke nicht als Kriminelle, sondern als Patient*innen zu behandelt, rettet Leben und fördert die öffentliche Gesundheit – und das erwiesenermaßen. Damit dieses Wissen auch weltweit Anwendung findet, müssen die verschiedenen Staaten und Institutionen zusammenarbeiten. Deutschland ist im Hinblick auf gesundheitsorientierte Drogenpolitik einer der Vorreiter. Besonders etabliert haben sich niedrigschwellige Beratungsangebote, Möglichkeiten des sauberen Nadelaustauschs und die Substitution von Suchtmitteln. So lassen sich vor allem das HIV-Infektionsrisiko und die Zahl der Todesfälle durch Überdosierung verringern.

 

Vor diesem Hintergrund unterstützt die GPDPD den Erfahrungsaustausch zwischen Regierungen, die ihre Drogenpolitik stärker auf gesundheitsorientierte Aspekte ausrichten wollen. Unter diesen Staaten ist auch Myanmar, das Ende 2019 eine Delegation nach Bayern entsandte. Gemeinsam mit der Open Society Foundation Myanmar (OSM) organisierte die GPDPD im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Studienreise.

 

Wandel in Myanmars Drogenstrategie

Bereits 2018 signalisierte Myanmar durch die Einführung einer neuen Nationalen Drogenstrategie, die es gemeinsam mit dem Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung der Vereinten Nationen (United Nations Office on Drugs and Crime, UNODC) erarbeitet hatte, einen Wandel in seiner bisherigen Herangehensweise. Mehr denn je rückten der Mensch und seine Gesundheit in den Mittelpunkt. Anstatt das Drogenproblem allein mit repressiven Mitteln zu bekämpfen, verschob Myanmar seinen Fokus auf gesundheits- und entwicklungspolitische Maßnahmen. Erstmalig wurde auch der gesundheitliche Ansatz der Schadenminimierung erwähnt.

 

Entsprechend konnte die hochrangige Delegation aus Myanmar während ihrer Studienreise alle Felder einer gesundheitsorientierten Drogenpolitik kennenlernen. Medizinische und psychologische Arbeit, Sozialarbeit und Selbsthilfe wurden ebenso vorgestellt wie die Rolle von Polizei, Justiz und Stadtverwaltung.

 

Ohne Kooperation geht es nicht

Schon bei der ersten Station erwies sich, wie wichtig Kooperation in der Drogenpolitik ist. Die Delegation besuchte den „Arbeitskreis Sucht“ der Stadt Nürnberg, in dem sich alle relevanten Akteur*innen aus Medizin, Sozialarbeit, Selbsthilfe, Polizei und Stadtverwaltung treffen. Wie fachübergreifende Zusammenarbeit sich auch in Myanmar umsetzen lässt, diskutierten die Besucher*innen im Arbeitskreis.

 

Patienten – keine Kriminellen

Als nächstes standen vier medizinische Einrichtungen auf dem Programm: die Straßenambulanz der Caritas in Nürnberg, das Bezirkskrankenhaus Erlangen, das Bezirkskrankenhaus Hochstadt und die Forensische Psychiatrie in Bayreuth. Als eines der ersten Krankenhäuser Deutschlands hat sich die Fachklinik Hochstadt auf die Abhängigkeit von amphetaminartigen Substanzen wie Metamphetamin spezialisiert. Hier werden Heroinabhängige behandelt, aber auch Menschen mit einem problematischen Konsum von Stimulanzien wie Crystal Meth.

 

Das ist besonders relevant für Myanmar, wo der Konsum von Crystal Meth in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat. Hier machten sich die Delegierten mit langfristigen Therapiemöglichkeiten vertraut, die Patient*innen dabei helfen, sich von der Sucht zu befreien und in einen geregelten Alltag zurückzukehren.

 

Re-Integration – Voraussetzung für ein suchtfreies Leben

Mudra e.V  zeigte, wie Menschen, deren Leben durch eine Drogenproblematik negativ bestimmt wird, in ein selbstbestimmtes und geordnetes Umfeld zurückfinden können. Der Verein ist eine der ältesten Suchthilfeeinrichtungen Deutschlands. Sein Ansatz bezieht neben der Behandlung und Betreuung von drogenabhängigen Personen besonders die berufliche (Re-)Integration ein. In den Werkstätten und Selbsthilfegruppen des Vereins sprach die Delegation mit Betroffenen.

 

Auch die Arbeit von Polizei und Justiz wurde nicht außen vorgelassen. Hochrangige Vertreter der Polizei und ein Oberstaatsanwalt berichteten über ihre Arbeit und die Kooperation mit medizinischen Einrichtungen und Selbsthilfegruppen.