Alternative Entwicklung

AFP via Getty Images AFP via Getty Images

Alternative Entwicklung hilft Bäuerinnen und Bauern, der Armutsfalle des illegalen Drogenanbaus zu entkommen

Weltweit hat in den vergangenen zehn Jahren der illegale Anbau von Drogenpflanzen wie Koka und Schlafmohn massiv zugenommen. Viele Länder reagieren darauf mit repressiven Maßnahmen und vernichten die Pflanzen. Auf kurze Sicht wird der Anbau eingedämmt, doch seine eigentlichen Ursachen werden oft missachtet – wenn nicht sogar verschärft. Der illegale Anbau ist ein Symptom: Der Ansatz der Alternativen Entwicklung sieht die Gründe dafür in Entwicklungsdefiziten und setzt an diesen an.

Was ist das Problem?

In den meisten Fällen liegen die Ursachen für den Anbau von Drogenpflanzen in Entwicklungsdefiziten ländlicher Räume. Viele Kleinbäuerinnen und Kleinbauern leben unter Bedingungen, die es ihnen erschweren, sich vom Drogenpflanzenanbau zu befreien: Die oft abgelegenen Regionen sind geprägt von Armut, schwachen oder nicht präsenten staatlichen Institutionen, fehlendem Zugang zu legalen Märkten, bewaffneten Konflikten, Kriminalität und Gewalt. Ein Nährboden für illegale Drogenökonomien. Für viele Menschen, die sich am Anbau beteiligen, ist dieser die einzige Einnahmequelle, um den Lebensunterhalt ihrer Familien zu sichern. 

 

Dabei ist der Anbau von Drogenpflanzen für die meisten Kleinbäuerinnen und -bauern nicht ökonomisch attraktiv, sondern vielmehr riskant. In vielen Anbauregionen sind die Familien neben staatlicher Repression und sozialer Stigmatisierung auch der Willkür bewaffneter Gruppierungen ausgesetzt, die oft die Hauptabnehmer ihrer Ernten sind. Dies ist zum Beispiel in einigen Regionen Afghanistans, Kolumbiens und Myanmars der Fall. Die erzielten Gewinne sind dabei, wenn überhaupt, nur geringfügig höher als bei legalen landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Die enormen Gewinnsteigerungen in der illegalen Wertschöpfungskette des Drogenhandels erfolgen erst am Ende der Wertschöpfungskette, nicht jedoch in den Ursprungsregionen.

 

Durch repressive staatliche Maßnahmen werden kleinbäuerliche Familien zudem oft ihrer einzigen Lebensgrundlage beraubt, ohne Alternativen in Aussicht zu haben. Die Kleinbäuerinnen und -bauern bleiben daher oft Teil des ärmsten Segments der ländlichen Bevölkerung.

 

Zusätzlich zu den sozialen und wirtschaftlichen Folgen des Drogenpflanzenanbaus erleben viele Familien im ländlichen Raum auch die negativen Auswirkungen auf ihre Umwelt. In einigen Ländern ist der Anbau von Drogenpflanzen ein treibender Faktor von Entwaldung für die Schaffung neuer, illegaler Anbauflächen. Durch Monokulturen und den übermäßigen Einsatz von Dünger und Chemikalien werden außerdem die Böden belastet. Die betroffenen Familien haben also starke Anreize, ein Leben in der Illegalität und Willkür aufzugeben und legale Alternativen zu etablieren. An diesem Punkt setzt die Entwicklungszusammenarbeit an.    

Alternative Entwicklung geht das Problem bei den Wurzeln an

Das Ziel des deutschen Ansatzes der Alternativen Entwicklung ist es, die Abhängigkeit kleinbäuerlicher Familien vom Drogenpflanzenanbau langfristig zu reduzieren und ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Die Annahme ist, dass sie auf die illegale Drogenökonomie nicht mehr angewiesen sind, wenn sie über nachhaltige wirtschaftliche und legale Alternativen zum Anbau von Drogenpflanzen verfügen. Erfolgreiche Beispiele der Alternativen Entwicklung aus Asien und Lateinamerika zeigen, dass die wirtschaftliche Entwicklung der betroffenen Regionen mit der Reduzierung des Anbaus einhergeht. Im Gegensatz zu kurzfristigen Maßnahmen der Anbauzerstörung ist der Ansatz der Alternativen Entwicklung nachhaltig, wie etwa das Beispiel Thailands zeigt.

Alternative Entwicklung adressiert die Ursachen von illegalem Drogenanbau.

So steht Alternative Entwicklung für eine Drogenpolitik, die eine nachhaltige ländliche und menschliche Entwicklung gegenüber Repression priorisiert. Anstatt nur auf die Symptome abzuzielen, greift Alternative Entwicklung tiefer und setzt an den Wurzeln des Drogenpflanzenanbaus an. Dies geschieht durch eine Diversifizierung der landwirtschaftlichen Produktion, die Erschließung weiterer Einkommensquellen in den Anbauregionen und begleitende Maßnahmen. Deutschland setzt sich seit über 35 Jahren für den Ansatz der Alternativen Entwicklung ein und ist international einer der größten Geber in diesem Bereich.

Wie sieht Alternative Entwicklung konkret aus?

Projekte der Alternativen Entwicklung bilden kleinbäuerliche Familien im Anbau von nachhaltigen, an die lokalen Bedingungen angepassten Nutzpflanzen wie Kaffee oder Kakao aus und begleiten sie in der Kommerzialisierung ihrer Produkte. Legale Alternativen zum Drogenpflanzenanbau können aber auch außerhalb der Landwirtschaft liegen, zum Beispiel im Ökotourismus. Auch die Verbesserung der Rahmenbedingungen für ländliche Entwicklung ist Teil des Konzepts. Dabei geht es um die Eröffnung bzw. Erweiterung des Marktzugangs für legale Produkte, die Förderung des Zugangs zu Landtiteln und der ländlichen Infrastruktur, sowie die Verbesserung öffentlicher Dienstleistungen für die abgelegenen Anbauregionen.

 

Neben den sozioökonomischen Maßnahmen wird in Projekten der Alternativen Entwicklung auch zunehmend auf Umweltschutz Wert gelegt. So werden umweltökonomische Modelle wie Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen getestet, oder Selbstverpflichtungserklärungen zum Erhalt des Regenwaldes durch die kleinbäuerlichen Familien abgegeben.

Die GPDPD und Alternative Entwicklung

  • Wir verankern entwicklungspolitische Aspekte in der internationalen Drogenpolitik und bewerben Alternative Entwicklung in globalen Foren wie der Suchtstoffkommission der Vereinten Nationen (United Nations Commission on Narcotic Drugs, CND) oder dem von uns ins Leben gerufene Brandenburg Forum (BBF).
  • Wir pilotieren eigene Maßnahmen der Alternativen Entwicklung in Partnerländern wie Kolumbien gemeinsam mit anderen Organisationen, um neue Modelle und Ansätze zu testen. 
  • Wir verbessern die wissenschaftlichen Grundlagen für Alternative Entwicklung, indem wir entsprechende Studien fördern, verbreiten und in den internationalen Dialog einbringen. So wollen wir eine Drogenpolitik unterstützen, die sich an Fakten orientiert.