Expertentreffen Schadensreduzierung

Die Expertentreffen sind jährlich stattfindende Konferenzen zu Themen rund um gesundheitsorientierte Ansätze in der Drogenpolitik. Übergeordnetes Ziel der Expertengruppe ist eine stärkere Verankerung des Ansatzes der Schadensreduzierung (harm reduction) in der Drogenpolitik der Vereinten Nationen. Mit dem Konzept verbinden sich all jene Bemühungen, die darauf gerichtet sind, die negativen gesundheitlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen des Konsums illegaler Substanzen wie etwa soziale Verelendung und die Verbreitung ansteckender Krankheiten abzuwenden oder zu verringern. Der Begriff Schadensreduzierung als solcher hat 2016 nicht Eingang in das Abschlussdokument der Sondergeneral-versammlung der Vereinten Nationen zum Weltdrogenproblem (UNGASS) gefunden, da er international umstritten ist. Einzelne Aspekte, wie zum Beispiel Spritzentauschprogramme, werden jedoch implizit als Präventionsmaßnahme von Krankheiten im Abschlussdokument erwähnt.

Bereits im Februar 2016 hat GPDE im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gemeinsam mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung und der britischen Nichtregierung-sorganisation International Drug Policy Consortium (IDPC) ein entsprechendes Expertentreffen zum Thema „Neue Ansätze zur Schadensminimierung" organisiert. Mit Blick auf UNGASS im April 2016, diente diese erste Veranstaltung der Diskussion zentraler Aspekte der Schadensreduzierung sowie des gegenwärtigen Standes des Ansatzes in der internationalen Drogenpolitik.

Das Grundkonzept der Schadensreduzierung entstand als pragmatische Antwort auf durch Blut übertragene Krankheiten, wie HIV- und Hepatitis C, bei Menschen, die Drogen intravenös konsumieren. Als politischer Rahmen, der auf den Prinzipien öffentlicher Gesundheit und Menschenrechte basiert, gewann das Konzept rasch an Bedeutung. Deutschland gehörte zu den frühen Pionieren dieses Ansatzes, sowohl national als auch international.

Nach wie vor haben jedoch viele Menschen, die weltweit Drogen konsumieren, noch immer keinen Zugang zu schadensminimierenden Unterstützungs- und Hilfeleistungen. Dazu zählen neben der opioidgestützten Substitutionstherapie u.a. ein (regelmäßiger) Test auf Infektionskrankheiten, die aktive Informationsvermittlung zu Safer Use und Safer Sex, Nadel- und Spritzentauschprogramme sowie Programme zur Drogennotfallprophylaxe und das Angebot von Drogenkonsumräumen. Von den 158 Ländern, die intravenösen Drogenkonsum verzeichnen, haben nur 91 Länder den Ansatz der Schadensreduzierung in ihre nationale Politik aufgenommen. Etwa 13 Prozent der Menschen, die Drogen injizieren, leben mit HIV und etwa 50 Prozent mit Hepatitis C. Laut des UNODC Weltdrogenberichtes starben 2017 190,000 Menschen an drogenbedingten Todesfällen, wovon die Mehrheit auf den Konsum von Opiaten zurückzuführen sind.

Durch den Anstieg des nicht-intravenösen Konsums von Drogen sowie dem steigenden Anteil von Mischkonsumenten, ergeben sich jedoch neue Anforderungen an die Ansätze der Schadensreduzierung. In diesem Zusammenhang fand das zweite Expertentreffen im Oktober 2017 in Bangkok zum Thema „Schadensreduzierung und Stimulanzien“ statt. Der Fokus lag auf dem Bereich des zunehmenden Konsums von Stimulanzien und damit einhergehende neue Anforderungen an das Suchthilfesystem, an die internationale politische Agenda, besonders an die Bereiche Finanzierung und Forschung. Teilnehmende formulierten den Bedarf, die Ansätze der Schadens-reduzierung neu zu denken und menschenzentriert auszurichten. Aus dieser Neuausrichtung ergäbe sich in der Konsequenz eine notwendige Veränderung der Finanzierungsstruktur, da diese derzeit hauptsächlich an Budgets der HIV/Aids Hilfe gekoppelt ist.

Es herrschte Einigkeit, dass der Begriff Schadensreduzierung weiterhin keine konsensbasierte Zustimmung unter den 53 Mitgliedsstaaten der VN-Suchtstoff-kommission (CND) finden wird. Es wird daher in der 61. CND sowie bei der Überprüfung der Politischen Erklärung und Aktionsplan zum Weltdrogenproblem der VN (2009) im Jahr 2019 vor allem darum gehen, die Inhalte des Abschlussdokuments der UNGASS 2016 zu bewahren.

Durch das Zusammenbringen von interessierten Mitgliedsstaaten, VN-Agenturen, Akademikern und Zivilgesellschaft, fördern die Expertentreffen in vertraulichem Rahmen den Dialog zum Thema Schadensreduzierung. Daher stellen sie eine wertvolle Plattform für die Betrachtung aktueller Entwicklungen, die Untersuchung von Fallstudien verschiedener Regionen, sowie für die Mitgestaltung von Politikempfehlungen dar, die als neue Ansätze in die post-UNGASS Prozesse eingebracht werden können.

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