Wissen, was wirkt: Drogenpolitik, die auf Wissenschaft basiert

Aktuelles

29.05.2019

Wissen, was wirkt: Drogenpolitik, die auf Wissenschaft basiert

Wie können Länder in ihrem Umgang mit ihrer jeweiligen Drogenproblematik voneinander lernen? Auf der 13. Konferenz der ISSDP vom 22. bis 24. Mai 2019 in Paris tauschten sich rund 260 Teilnehmende aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik zu diesen Fragen und vielen weiteren Themen rund um Drogenpolitik aus. Das Ziel ist es, die wissenschaftliche Grundlage für drogenpolitische Entscheidungen zu verbessern.

Wo politische Entscheidungen getroffen werden, steht man oft vor komplexen und vielfältigen Problemen ohne eindeutige oder einfache Lösungen. Die Wissenschaft versucht hier zu helfen mit unabhängigen und faktenbasierten Empfehlungen – auch in der Drogenpolitik. Besonders in der Bekämpfung des internationalen Drogenproblems beherrschen häufig Falschwissen und Ressentiments die politische Agenda. Wissenschaft hält dagegen.

Die International Society for the Study of Drug Policy (ISSDP) ist eine Gemeinschaft von Forschenden aus aller Welt. Diese setzen sich mit drogenpolitischen Fragestellungen auseinander und stärken die wissenschaftliche Forschung in diesem Bereich. Wie hat sich der Drogenkonsum oder -anbau nach drogenpolitischen Reformen verändert? Welche Finanzierungsmodelle für Therapieprogramme sind wirksam? Wie können Länder in ihrem Umgang mit ihrer jeweiligen Drogenproblematik voneinander lernen? Auf der 13. Konferenz der ISSDP vom 22. bis 24. Mai 2019 in Paris tauschten sich rund 260 Teilnehmende aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik zu diesen Fragen und vielen weiteren Themen rund um Drogenpolitik aus. Das Ziel ist es, die wissenschaftliche Grundlage für drogenpolitische Entscheidungen zu verbessern.

In diesem Jahr ging es unter anderem um die Opioid-Krise in Nordamerika und damit verbundene Risiken für die öffentliche Gesundheit, aktuelle Entwicklungen in der Regulierung von medizinischem und nicht-medizinischem Cannabis sowie Neuerungen im Bereich der Schadensminimierung, Suchthilfe und Therapie.

Die GPDE richtete auf der ISSDP-Konferenz ein Panel über aktuelle Forschung zu illegalen Drogenökonomien in Entwicklungsländern aus. Der Anbau von Drogenpflanzen findet überwiegend in Ländern des Globalen Südens statt. Entwicklungsdefizite wie Armut, mangelnde Infrastruktur und Gesundheitsversorgung, Unsicherheit und fehlende Staatspräsenz lassen Drogenökonomien florieren. Gleichzeitig verstetigen sie diese Zustände und hindern eine nachhaltige Entwicklung von Drogenanbauregionen.

Der Blick auf den Zusammenhang zwischen Drogenökonomien und Entwicklung ist wichtig, um die Wirksamkeit von drogenpolitischen Strategien zu überprüfen. Dennoch mangelt es an Forschung in diesem Feld. Bereits auf die Frage nach der Anzahl der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die weltweit illegal Drogenpflanzen wie Schlafmohn, Cannabis oder Koka anbauen, gibt es derzeit keine wissenschaftlich gesicherte Angabe. Die GPDE möchte die Position von entwicklungsorientierten Fragestellungen auf der internationalen drogenpolitischen Forschungsagenda stärken.

Die Panelrunde diskutierte unter anderem, wie Wissenschaft und Praxis in den Bereichen Entwicklung, illegale Drogen und Fragilität besser zusammenarbeiten können. Es wurden Studien vorgestellt zur Anzahl der Haushalte, die Drogenpflanzen anbauen, und zur Anzahl der beteiligten Haushalte in Programmen der Alternativen Entwicklung. Zudem wurde am Beispiel des Kokaanbaus in Kolumbien gezeigt, dass dieser meist keine lukrative Einkommensquelle darstellt, weil die Kleinbäuerinnen und -bauern überwiegend in Armut und strukturschwachen Regionen leben. Die Debatte um die vorgestellten Themen war lebhaft und zeigte, dass die Schnittstelle zwischen Drogenpolitik und Entwicklung mehr Aufmerksamkeit verdient – auch in der Forschung.

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