Weltdrogenbericht 2019: Drogenproduktion und -konsum auf Allzeithoch – Zeit für einen Richtungswechsel in der internationalen Drogenpolitik.

Aktuelles

03.07.2019

Die Tendenz ist eindeutig: Sowohl das Angebot an, als auch die Nachfrage nach fast allen Typen illegaler Drogen steigen. So konsumieren heute 271 Millionen Menschen – und damit 30 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Es ist Zeit für einen Richtungswechsel in der internationalen Drogenpolitik.

Schiffsladung mit Drogen

Noch nie wurde weltweit eine solch große Menge an Kokain produziert wie heute. Fast 2.000 Tonnen der illegalen Droge sind jährlich im Umlauf, wie der vor wenigen Tagen erschienene Weltdrogenbericht des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) zeigt. Für den Bericht, der auf Daten aus dem Jahr 2017 beruht, wurden weltweite Entwicklungen der Drogenwirtschaft analysiert. Die Zahlen unterstreichen, dass die internationale Drogenpolitik sich einer offenen Debatte zur Lösung der zahlreichen Herausforderungen stellen muss - nur eine gemeinsame, nachhaltige Drogenpolitik kann das globale Problem eindämmen.

Die Tendenz ist eindeutig: Sowohl das Angebot an, als auch die Nachfrage nach fast allen Typen illegaler Drogen steigen. So konsumieren heute 271 Millionen Menschen – und damit 30 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Das UNODC wies darauf hin, dass dieser Zuwachs zum Teil mit dem Bevölkerungswachstum einhergeht, aber dennoch gravierend ist. Besonders drastisch ist der Konsum an Opiaten angestiegen, die für zwei Drittel aller Drogentoten weltweit verantwortlich sind. Die Konsumentenzahlen haben sich auf 50 Millionen mehr als verdoppelt. Allein in den Vereinigten Staaten von Amerika starben 2017 70.000 Menschen an einer Überdosis.

Die Lage wird komplizierter und erfordert verstärktes Engagement, stellt Yury Fedotov, der Leiter des UNODC, fest: „Eine breitere internationale Zusammenarbeit ist notwendig, um ausgewogene und ganzheitliche Reaktionen auf Angebot und Nachfrage im Gesundheits- und Strafrechtsbereich zu fördern.“

Mit dem Drogenkonsum gehen gesundheitliche Gefahren einher. So sind zum Beispiel verunreinigte Spritzen die Hauptursache für die Übertragung von lebensgefährlichen Krankheiten wie HIV oder Hepatitis C. Ein Großteil der Neuinfizierungen betrifft Menschen, die Drogen injizieren. Maßnahmen der Schadensreduzierung wie Drogenkonsumräume mit sauberen Spritzbesteck können die Ansteckungsgefahr erheblich minimieren und damit auch die öffentliche Gesundheit schützen. Diesen Maßnahmen voraus geht die Entkriminalisierung von Menschen, die illegale Substanzen zu sich nehmen. Ein Konzept, das sich etwa in Portugal bewährt hat, das aufgrund seiner Erfolgsgeschichte immer stärker Beachtung findet, aber noch kaum in anderen Ländern umgesetzt wird.

Der Bericht wirft ein Schlaglicht auf die prekäre Situation in Gefängnissen. Hier kommen Prävention und Behandlung in Zusammenhang mit Drogen in der überwiegenden Anzahl der Länder zu kurz. Die Verbreitung von infektiösen Krankheiten wie HIV, Hepatitis C und Tuberkulose unter Gefängnisinsassen ist überdurchschnittlich hoch – vor allem unter Inhaftierten, die sich Drogen spritzen.

Der Weltdrogenbericht 2019 kommt unter anderem zu dem Schluss, dass wirksame Behandlungsmaßnahmen auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse und im Einklang mit internationalen Menschenrechtsverpflichtungen deutlich verstärkt werden müssen. Die globale Drogenpolitik muss einen Richtungswechsel einschlagen – hin zu einer evidenzbasierten, ganzheitlichen Politik, in der der Mensch im Mittelpunkt steht.

Der vollständige UN Drug Report ist hier frei verfügbar.

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