Von Erfahrungen in Deutschland lernen: Delegation aus Myanmar besucht Drogenreinrichtungen in Bayern

Aktuelles

06.11.2019

Schadensminimierung in der Drogenpolitik wirkt: Die einzelnen Maßnahmen retten Leben und tragen zur öffentlichen Gesundheit bei. Das zeigen Praxis und Studien. Auch die myanmarische Regierung möchte von Erfahrungen bei der Umsetzung eines gesundheitsorientierten Ansatzes lernen und schickt eine Delegation nach Deutschland. Die hochrangigen Vertreterinnen und Vertreter aus Myanmar erhielten während ihrer Studienreise nach Bayern einen umfassenden Einblick in die Arbeit verschiedener Einrichtungen.

Die Delegation aus Myanmar besucht die Werkststätten der Klinik Hochstadt. / Foto: GPDPD
Die Delegation aus Myanmar besucht die Werkststätten der Klinik Hochstadt. / Foto: GPDPD

Schadensminimierung in der Drogenpolitik wirkt: Die einzelnen Maßnahmen retten Leben und tragen zur öffentlichen Gesundheit bei. Das zeigen Praxis und Studien. Auch die myanmarische Regierung möchte von Erfahrungen bei der Umsetzung eines gesundheitsorientierten Ansatzes lernen und schickt eine Delegation nach Deutschland. Die hochrangigen Vertreter*innen aus Myanmar erhielten während ihrer Studienreise nach Bayern einen umfassenden Einblick in die Arbeit verschiedener Einrichtungen.

Während ihres dreitägigen Aufenthalts hatte die Delegation aus Myanmar bestehend aus Parlamentarier*innen, hochrangigen Vertreter*innen aus Ministerien sowie der Justiz die Möglichkeit, alle Felder einer gesundheitsorientierten Drogenpolitik kennen zu lernen. Die medizinische wie auch die psychologische Arbeit, die Sozialarbeit und die Selbsthilfe und damit die Sicht der Patienten wurden ebenso vorgestellt wie die Arbeit von Polizei, Justiz und der Stadtverwaltung. Deutschland ist international einer der Vorreiter in der Entwicklung und Umsetzung von Konzepten der Schadensreduzierung, als auch in der Behandlung und Rehabilitation von Menschen mit einer Suchtproblematik. Niedrigschwellige Beratungsangebote, Möglichkeiten des Nadelaustauschs oder die Substitution von Suchtmitteln verringern das HIV-Infektionsrisiko und die Zahl an Todesfällen durch Überdosierung.

Gemeinsam mit der Open Society Foundation Myanmar (OSM) organisierte die Globale Partnerschaft für Drogenpolitik und Entwicklung (GPDPD) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) diese Studienreise, um die Regierung Myanmars in der Umsetzung von schadensminimierenden Ansätzen zu unterstützen. Sie erfolgte im Anschluss zu einem Aufenthalt der Delegation in Lissabon, wo sie sich zum portugiesischen Modell der Schadensminimierung informierte.

Ohne Kooperation geht es nicht

Schon bei der ersten Station der Reise erwies sich, wie wichtig die Kooperation zwischen den verschiedenen Institutionen der Drogenpolitik ist. Die Delegation besuchte den „Arbeitskreis Sucht“ der Stadt Nürnberg, in dem sich alle relevanten Akteure aus Medizin, Sozialarbeit, Selbsthilfe, Polizei und der Stadtverwaltung treffen. Die Besucher aus Myanmar klärten für sich in der Diskussion mit dem Arbeitskreis wichtige Fragen der fachübergreifenden Zusammenarbeit.

Der Drogenkonsument als Patient - nicht als Krimineller

Weiter auf dem Programm standen vier medizinische Einrichtungen, in denen Menschen mit unterschiedlichen Suchtproblematiken geholfen wird: die Straßenambulanz der Caritas in Nürnberg, das Bezirkskrankenhaus Erlangen, das Bezirkskrankenhaus Hochstadt und die Forensische Psychiatrie in Bayreuth. Als eines der ersten Krankenhäuser Deutschlands hat sich die Fachklinik Hochstadt auf die Abhängigkeit von psychoaktiven Substanzen spezialisiert. In ihr werden Heroinabhängige behandelt, aber auch Menschen mit einem problematischen Konsum von Stimulanzien wie Crystal Meth. Besonders der Konsum von Crystal Meth hat in den vergangenen Jahren in Myanmar stark zugenommen. Hier machten sich die Delegierten mit langfristigen Therapiemöglichkeiten vertraut, die Patient*innen dabei helfen, sich von der Sucht zu befreien und in einen geregelten Alltag zurückzukehren. Alle Einrichtungen betrachten drogenabhängige Menschen als Leidtragende ihrer Sucht. Diese Wahrnehmung des Menschen als Patienten und nicht als Kriminellen ist essentiell für eine nachhaltige Drogen- und Suchtpolitik.

Re-Integration – Voraussetzung für ein suchtfreies Leben

Wie Menschen, deren Leben durch eine Drogenproblematik negativ bestimmt wird, in einen selbstbestimmten und geordneten Alltag finden können, zeigte auch die Arbeit von Mudra e.V. Der Verein ist eine der ältesten Suchthilfeeinrichtungen Deutschlands. Sein Ansatz bezieht neben der Behandlung und Betreuung von drogenabhängigen Personen besonders die berufliche (Re-)Integration ein. Mudra e.V. unterstützt Menschen dabei, sich für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren und bietet selbst Arbeitsplätze an. Um zu erfahren, wie sich dies in der Praxis gestaltet, konnte die Delegation die Werkstätten und Selbsthilfegruppen des Vereins besuchen und dort auch mit Betroffenen sprechen.

Auch die Arbeit der Polizei und der Justiz wurde während der Studienreise nicht außer Acht gelassen: Hochrangige Polizisten sowie ein Oberstaatsanwalt berichteten über ihre Arbeit sowie Zusammenarbeit mit medizinischen Einrichtungen und Selbsthilfegruppen. Suchtprävention ist ein wichtiger Baustein deutscher Drogenpolitik.

Myanmars neue Drogenstrategie

Die Regierung Myanmars führte im Februar 2018 eine neue Nationale Drogenkontrollstrategie ein. Diese rückt den Menschen und seine Gesundheit mehr denn je in ihren Mittelpunkt und signalisiert damit einen Wandel in der Drogenpolitik des Landes. Sie setzt auf entwicklungspolitische Ansätze zur Bekämpfung der Drogenproblematik und berücksichtigt dabei die Wahrung der Menschenrechte. Das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) hat die myanmarische Regierung bei der Entwicklung dieser neu ausgerichteten Politik unterstützt. Den Ansatz der Schadenminimierung im Drogenbereich wendet die myanmarische Regierung formell zum ersten Mal an. Wichtige Kenntnisse zur Umsetzung der neuen Nationalen Drogenkontrollstrategie liefert auch der Besuch nach Deutschland.

Teilen.
 

GPDPD © 2017 – Alle Rechte vorbehalten

Teilen.
 
Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Zu den Datenschutzinformationen.Schließen