Auf dem Weg zu einer gesundheitsorientierten Drogenpolitik in Myanmar: Eine Studienreise in die Niederlande und nach Deutschland

Aktuelles

02.10.2018

Auf dem Weg zu einer gesundheitsorientierten Drogenpolitik in Myanmar: Eine Studienreise in die Niederlande und nach Deutschland

Vom 16. bis 22. September besuchte eine Gruppe von Regierungsvertretern aus Myanmar die Niederlande und Deutschland für einen Austausch zu gesundheitsorientierten Ansätzen in der Drogenpolitik, der gemeinsam von GPDE und TNI organisiert wurde. Myanmar entsandte Vertreter des burmesischen Ministeriums für Gesundheit und Sport, des Ministeriums für Soziales, des Zentralkomitees für Drogenmissbrauch und -kontrolle (CCDAC) sowie Regierungsvertreter aus dem Staat Kachin.

Das Programm der Studienreise umfasste Besuche einer Reihe von Einrichtungen und Programmen, die Maßnahmen zur Schadensminimierung (Harm Reduction) fördern und umsetzen, um die negativen individuellen und gesellschaftlichen Auswirkungen des Drogenkonsums zu verringern. Die Vertreter Myanmars besuchten nicht nur eine niedrigschwellige Beratungsstelle und ein auf die Fürsorge von Drogenkonsumenten spezialisiertes Krankenhaus in Leipzig, sondern auch einen Drogenkonsumraum in Amsterdam und die Einrichtungen eines diamorphinbasierten Drogensubstitutionsprogramms in Berlin. Um ein Verständnis für den rechtlichen und politischen Rahmen zu schaffen, gaben Experten der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA), sowie Vertreter der Schweiz, Portugals, der Bundesregierung und der Stadtverwaltung Amsterdams den Teilnehmenden zudem einen breiten Überblick über gesundheitsorientierte Ansätze in Europa.

Myanmar hat erst kürzlich sein Drogengesetz geändert und eine neue nationale Drogenstrategie eingeführt. Schadensminderung wird heute als gültiges Konzept im Gesetz anerkannt und auch die nationale Drogenstrategie empfiehlt die Anwendung von Harm Reduction-Maßnahmen. Deren Umsetzung bleibt jedoch ein herausfordernder Prozess, was zum Teil auf die hohe Stigmatisierung der Drogenkonsumenten in Myanmar zurückzuführen ist.

Während der Reflexion des Studienbesuchs erkannten die Regierungsvertreter aus Myanmar, dass Drogenkonsumenten nicht nur als Kriminelle zu betrachten sind, sondern als Personen, die Hilfe und Unterstützung benötigen. Bei der Abwägung verschiedener Maßnahmen im Umgang mit Drogenkonsumenten favorisierten sie den menschenzentrierten Ansatz und niedrigschwellige Angebote wie Nachtunterkünfte oder mobile Streetwork-Angebote – Dienste, die in Zukunft auch in Myanmar eingeführt werden könnten. Die Teilnehmer sahen auch die Notwendigkeit eines integrierten drogenpolitischen Ansatzes, der verschiedene Akteure aus der Gesundheitspolitik, der Polizei, den Gemeinden, dem Sozialsystem und Rehabilitationsprogrammen sowie der Zivilgesellschaft und internationale Akteure einbezieht.

 
 
Foto: GIZ GPDE
Foto: GIZ GPDE
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