Schadensreduzierung weiterdenken

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Schadensreduzierung weiterdenken – die wachsende Bedeutung stimulierender Drogen im Rahmen des VN-Drogenkontrollregimes: Die Prävalenz von Stimulanzien nimmt weltweit zu. Daraus ergeben sich neue Herausforderungen für das Suchthilfesystem und die internationale Drogenpolitik. In diesem Zusammenhang fand im Oktober 2017 in Bangkok, Thailand, ein 2. Expertentreffen zu Schadensreduzierung statt.

Der zunehmende weltweite Konsum von Stimulanzien bringt neue Anforderungen an das Suchthilfesystem, die internationale politische Agenda sowie die Bereiche Finanzierung und Forschung mit sich. Dabei geht es beispielsweise um rauchbares Kokain (Crack Cocaine) in Lateinamerika, aber auch Deutschland, sowie Methamphetamin in Asien, Australien und Europa.

Aus diesem Grund fand Anfang Oktober 2017 in Bangkok, Thailand, das 2. Expertentreffen zu Schadensreduzierung und Stimulanzien statt. Unter den Teilnehmenden befanden sich Regierungsvertreter aus 19 Ländern, Experten aus der Forschung und Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen, Delegierte des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) sowie des Gemeinsamen Programms der Vereinten Nationen zu HIV/Aids (UNAIDS). Organisiert wurde das Treffen im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durch GPDE, in Kooperation mit dem International Drug Policy Consortium (IDPC). Mitveranstalter waren die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, die thailändische Drogenbehörde ONCB (Office of Narcotic Control Board), Transnational Institute (TNI) und Harm Reduction International (HRI).

Durch den Austausch zwischen interessierten Mitgliedsstaaten, VN-Agenturen, Akademikern und Zivilgesellschaft wird in einem vertraulichen Rahmen der Dialog zum Thema Schadensreduzierung im Zusammenhang mit stimulierenden Drogen gefördert. Das Expertentreffen stellt eine wertvolle Plattform für den Austausch über aktueller Entwicklungen (Konsumtrends, Substanzgruppen, Forschungsstand, Finanzierung), zu länderspezifischen, erprobten Drogenhilfeeinrichtungen sowie für die Erarbeitung von Politikempfehlungen, dar. Das Verständnis interessierter Regierungen für das Thema Schadensreduzierung und Stimulanzien soll so gefördert werden. Darüber hinaus werden gemeinsame Positionen auf globaler und regionaler Ebene erarbeitet.

Übergeordnete Absicht der Expertentreffen ist eine stärkere Verankerung des Ansatzes der Schadensreduzierung auf VN-Ebene. Mit dem Begriff Schadensreduzierung wird das Ziel verbunden, die negativen gesundheitlichen und sozialen Folgen des Drogenkonsums für die betroffenen Menschen und die Gesellschaft insgesamt zu verringern. Der Begriff als solcher hat 2016 nicht Eingang in das Abschlussdokument der Sondergeneralversammlung der Vereinten Nationen zum Weltdrogenproblem (UNGASS) gefunden. Er ist international u.a. aufgrund der fehlenden Abstinenzvorgabe, der damit verbundenen Akzeptanz von Drogenkonsum als gesundheitspolitisches Phänomen sowie sich daraus ableitende Anforderungen an die nationalen Ansätze einer gesundheitsorientierteren Drogenpolitik umstritten.
Hinsichtlich der kommenden Jahre herrschte Einigkeit, dass der Begriff Schadensreduzierung weiterhin keine konsensbasierte Zustimmung unter den 53. Mitgliedsstaaten der VN-Suchtstoffkommission (CND) finden wird. Es wird daher in der 61. CND sowie der Überprüfung der Politischen Erklärung und Aktionsplan zum Weltdrogenproblem der VN (2009) im Jahr 2019 vor allem darum gehen, die Inhalte des Abschlussdokuments der UNGASS 2016 zu bewahren. Darüber hinaus sollten Inhalte eines breiteren Konzepts der Schadensreduzierung sowie damit notwendige neue Finanzierungsmechanismen eingebracht werden.

Mit Blick auf die internationale Zusammenarbeit ist es wichtig, weiterhin gesundheitsorientierte Ansätze der nationalen Drogenpolitiken der Partnerländer zu unterstützen. Dafür müssen auf die neuen Gegebenheiten des Stimulanzienkonsums ausgerichtete und auf Partnerländer übertragbare Maßnahmen der Drogenhilfe aufgearbeitet werden.
Foto: GIZ GPDE
Foto: GIZ GPDE
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