Neuer Meilenstein deutsch-thailändischer Zusammenarbeit in der Drogenpolitik: Übergabe der übersetzten S3-Leitlinie zur Behandlung von Methamphetamin-bezogenen Störungen

Aktuelles

06.08.2019

In Bangkok wurde am 6. August 2019 die vom Deutschen ins Thailändische übersetzte S3-Leitlinie zur Behandlung von Methamphetamin-bezogenen Störungen übergeben. Das Dokument beschreibt erfolgreiche medizinisch-therapeutische Behandlungskonzepte und bietet dem Fachpersonal eine Richtlinie im Umgang mit Methamphetamin-Konsumierenden

Thailand hat ein wertvolles Instrument zur Umsetzung einer gesundheitsorientierteren Drogenpolitik erhalten: In Bangkok wurde am 6. August 2019 die vom Deutschen ins Thailändische übersetzte S3-Leitlinie zur Behandlung von Methamphetamin-bezogenen Störungen übergeben. Das Dokument beschreibt erfolgreiche medizinisch-therapeutische Behandlungskonzepte und bietet dem Fachpersonal eine Richtlinie im Umgang mit Methamphetamin-Konsumierenden. Die Globale Partnerschaft für Drogenpolitik und Entwicklung (GPDE) hatte im Auftrag des BMZ die Übersetzung der in Deutschland bereits angewandten Leitlinie ermöglicht. In Thailand fand nun ein von der GPDE mitorganisierter Expertenaustausch statt, in dessen Rahmen das Dokument offiziell ausgehändigt wurde.

Unter Anwesenheit von Ärztinnen und Ärzten sowie hochrangigen Expertinnen und Experten aus der Gesundheitspolitik überreichte Dr. Wolf-Dietrich Braunwarth, Suchtmediziner am Klinikum am Europakanal Erlangen, die Leitlinie im Namen der GPDE an den Generalsekretär der thailändischen Drogenkontrollbehörde ONCB (Office of the Narcotics Control Board), Niyom Termsrisuk. Anschließend stellten in einem zweitätigen Workshop zwei Ärzte und ein Sozialarbeiter aus Deutschland, die an der Erstellung der S3-Leitlinie beteiligt waren, ausgewählte Schwerpunktkapitel vor. Dabei ging es unter anderem um Empfehlungen im Rahmen der Diagnostik und Behandlungsplanung, Akuttherapieformen und das Erkennen von psychischen und organischen Begleiterkrankungen von Methamphetamin-Konsumierenden.

Verstärkter Fokus auf gesundheitsorientierte Drogenpolitik in Thailand

Die Übergabe stellt eine Fortsetzung der langen und guten deutsch-thailändischen Zusammenarbeit in der Drogenpolitik dar. Seit den 1980er Jahren wurden gemeinsam vor allem Projekte im Bereich der Alternativen Entwicklung umgesetzt. Die Partnerländer kooperieren seit einigen Jahren aber auch zu Thematiken der öffentlichen Gesundheit. Eine große Herausforderung stellt in Thailand besonders der problematische Konsum von Amphetaminen dar, deren Verbreitung in den vergangenen Jahren dort stark zugenommen hat. Im Anschluss an die Sondersitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen zum Weltdrogenproblem (UNGASS) 2016 zeigte die thailändische Regierung daher großes Interesse, eine ganzheitliche, über repressive Ansätze hinausgehende Lösung für die inländische Drogenproblematik zu finden. Das Land befindet sich nun in einem Reformprozess, um Ansätze zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit stärker in den Fokus seiner nationalen Drogenpolitik zu rücken.

Thailand ist vor diesem Hintergrund sehr daran interessiert, in einen Erfahrungsaustausch mit anderen Ländern zu treten. Die GPDE organisierte gemeinsam mit dem ONCB bereits zwei Expertenmissionen nach Bangkok, in deren Rahmen Fachpersonal aus der deutschen Suchtmedizin und der niedrigschwelligen Suchthilfe ihre Erkenntnisse und Erfahrungen im Bereich der Prävention, Behandlung und Schadensminimierung teilten. Im ersten Austausch äußerte Thailand den Wunsch, die in Deutschland verfasste S3-Leitlinie in Thailändisch zur Verfügung zu haben.

S3-Leitlinie stellt Gesundheit in den Vordergrund

Auch in Deutschland lagen bis zum Jahr 2016 keine evidenzbasierten medizinischen Behandlungskonzepte für Patientinnen und Patienten mit Methamphetamin-bezogenen Störungen vor. Erst die S3-Leitlinie geht über Einzelfallstudien und Erfahrungsberichte hinaus und gibt strukturierte und konkrete Empfehlungen.

Die durch die GPDE ermöglichte Übersetzung der Leitlinie hat vielfache Vorteile: Nicht nur werden der internationale Wissenstransfer und die bilaterale Kooperation gestärkt, vor allem profitieren drogenkonsumierende Personen in beiden Ländern. Anstatt Konsumierende als Kriminelle anzusehen, werden in der Leitlinie Drogenabhängigkeit als chronische Krankheit und Schadensminimierung als gesundheitsorientierter Behandlungsansatz anerkannt. So bietet die S3-Leitlinie ein Werkzeug zur Umsetzung von Drogenpolitiken, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen.

 
 
Foto: ONCB
Foto: ONCB
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