Foto: GIZ/ Leslie Searles
Foto: GIZ/ Leslie Searles
 
 

VON KOKA ZU KOKAIN - DAS VERGESSENE GLIED IN DER KETTE

 

Alternative Entwicklung für Menschen in Drogenanbaugebieten

 
 

Eine Ausstellung über Vorurteile und Realität

Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die Schlafmohn und Koka bewirtschaften, sind das vergessene Glied in der Drogenlieferkette. Diese Ausstellung lädt Sie dazu ein, neun Mythen über den Anbau von Drogenpflanzen in Lateinamerika und Asien zu hinterfragen.

Ausstellung und Orte:

5. Dezember 2018 bis 31. Januar 2019, 9 bis 17 Uhr Montag bis Freitag
GIZ Repräsentanz Brüssel, Rue du Trône 108, 1050 Brüssel

Um die Ausstellung zu besuchen, melden Sie sich unter gz-brsslsgzd
an und melden Sie sich bei Ankunft an der Rezeption.

Eintritt frei

Diese Website bietet Ihnen einen ersten Einblick in die Ausstellung.

GIZ Gmb

Kontakt: Sektorvorhaben Zukunftsfähige Ländliche Räume rrldvlpmntgzd

 
 
 
Drug crop cultivation – does that bother me?
 
 

Mythos 1: „Drogenanbau – hat doch nichts mit mir zu tun“

 
 

Jede(r) Zwanzigste zwischen 15 und 64 Jahren, also insgesamt 275 Millionen Menschen weltweit, haben nach Schätzungen der Vereinten Nationen 2016 mindestens einmal illegale Drogen konsumiert. Neben Cannabis zählen Kokain und Heroin zu den meistkonsumierten Drogen auf pflanzlicher Basis weltweit.

Kokain und Crack werden aus pflanzlichen Extrakten der Koka-Pflanze gewonnen, Rohopium oder Opiumderivate wie Heroin aus Schlafmohn.
Konsumiert werden die Suchtstoffe hauptsächlich in Industrie- und Schwellenländern. Die Anbau- und Produktionsgebiete liegen jedoch in entlegenen und vernachlässigten Gebieten in Entwicklungsländern.

Im Jahr 2016 konsumierten weltweit fast 192 Millionen Menschen Cannabis, 18 Millionen Menschen Kokain und fast 19 Millionen Menschen Opiate.

Doch der Anbau von Drogenpflanzen birgt eine Vielzahl von Problemen.

Was ist Alternative Entwicklung?

Alternative Entwicklung ist eine entwicklungsorientierte Strategie. Sie ist ganzheitlich ausgerichtet und adressiert so die Ursachen des illegalen Anbaus von Drogenpflanzen. Alternative Entwicklung vereint Maßnahmen aus

  • ländlicher Entwicklung
  • Armutsbekämpfung
  • Förderung des Zugangs zu Land und Landrechten
  • Umweltschutz und Klimawandel
  • Stärkung von Rechtsstaatlichkeit, Sicherheit und guter Regierungsführung

Die Verpflichtung zu internationalen Menschenrechten und zur Gleichstellung der Geschlechter findet in der Alternativen Entwicklung volle Beachtung.

In Projekten werden wirtschaftliche Alternativen für kleinbäuerliche Familien gefördert. Sie sollen dazu ermutigt werden, legale Nutzpflanzen wie Kaffee oder Kakao anzubauen.

 
 

Mythos 2: „Wer Drogenpflanzen anbaut, wird reich.“

 
 

Oft sind Drogenanbauregionen abgehängte Gebiete, die sich durch Armut, unsichere Landrechte, eine schwache Infrastruktur und mangelnden Marktzugang sowie häufig auch durch Gewalt auszeichnen. Die Menschen dort haben kaum Zugang zu Gesundheitseinrichtungen und Bildung.

Der Anbau von Koka und Schlafmohn schadet oft auch der Umwelt. Entwaldung, Bodenerosion und Verschmutzung von Gewässern sind direkte Folgen.

Kokain kostet in Deutschland etwa 75 Euro pro Gramm (2016). Nur ein sehr kleiner Teil dieses Geldes bleibt bei den Kleinbauernfamilien am untersten Ende der Lieferkette hängen, die die Pflanzen anbauen. Die Gewinne der Drogenhändler sind umso größer.

 
 

Mythos 3: „Wer Drogenpflanzen anbaut, ist kriminell“

 
 
Are drug crop farmers criminals?

In vielen Ländern haben die Bäuerinnen und Bauern keine Alternative zum Drogenanbau. Die Gegenden, in denen sie leben, sind meist strukturschwach - geografisch abgehängt; wirtschaftlich, sozial und politisch benachteiligt.

Häufig kontrollieren kriminelle Drogenkartelle die Dörfer. Weil ihnen der Zugang zu Märkten für legale landwirtschaftliche Produkte fehlt, sehen sich viele Familien gezwungen, Drogenpflanzen anzubauen und diese an die Kartelle weiterzuverkaufen.

Alternative Entwicklungsprogramme bieten ihnen Perspektiven, an der legalen Wirtschaft teilzuhaben, vor allem, wenn sie an den eigentlichen Problemen der Betroffenen ansetzen.

Coffee farmer Moly Checya

Kaffeebäuerin Moly Checya

Moly Checya war acht Jahre alt, als ihre Familie in den Regenwald zog. Anfang der 1990er Jahre, sagt sie, habe es in Peru nur zwei Gründe gegeben, in den Regenwald zu gehen: Entweder man schloss sich der terroristischen Vereinigung Leuchtender Pfad an, die für blutige Massaker im ganzen Land verantwortlich war. „Oder man suchte ein Auskommen“, wie es ihre Mutter umschreibt: Koka-Anbau für die Drogenmafia.

Der Verdienst aus dem Koka-Anbau war höher als das, was Moly Checyas Vater als Bergmann im sehr armen Hochland verdient hatte. Mit dem Geld kam jedoch auch die Gewalt in die Region. Zuerst kam der Leuchtende Pfad: „Die Terroristen beschlagnahmten alles, was wir hatten“, erinnert sich Moly Checya. „Sie verschleppten meine Schwester und hielten sie ein Jahr gefangen.“ Jede Familie in der Gegend hatte Opfer zu beklagen.

Der Terror nahm Mitte der 90er Jahre langsam ab. Aus Mangel an Alternativen begannen Moly und ihr Mann Paul, in der verarmten Region Koka anzubauen. Das war zwar rentabel, aber staatlich geächtet. Die peruanische Polizei-Sondereinheit für illegalen Kokaanbau besprühte die Koka-Felder mit einem Entlaubungsmittel und riss die Pflanzen heraus. Den Familien wurde somit die Lebensgrundlage genommen. „Denen war ganz egal, dass wir nichts mehr zu essen hatten“, sagt Moly Checya. Nachdem ihre Kokapflanzen zerstört waren, stand die Familie vor dem Ruin.

Mit Hilfe eines Projektes der Alternativen Entwicklung des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert wurde, erhielt die Familie eine neue Perspektive. Das Projekt unterstützte Moly und Paul dabei, sich weiterzubilden und eine Kaffeeplantage aufzubauen. Sie konnten sich dem Drogengeschäft entziehen und sind nicht mehr auf den Kokaanbau angewiesen.

UNODC Projekt PERU87, Nachhaltige landwirtschaftliche Entwicklung zur Armutsreduzierung durch einen ökologisch nachhaltigen und frauenfördernden Ansatz in Peru und Bolivien, 2011-2017 vom BMZ gefördert

 
 

Mythos 4: „Drogenanbaugebiete – aus den Augen, aus dem Sinn“

 
 
Drug crop cultivation areas – out of sight, out of mind

In den meisten Anbaugebieten sind fehlende staatliche Strukturen eine Hauptursache für den illegalen Anbau von Drogenpflanzen. Staatliche Unterstützung in Form von Dienstleistungen oder öffentlichen Investitionen erreicht die abgelegenen ländlichen Gebiete meist nicht. Grundlegende Infrastruktur, zum Beispiel ein Netz befestigter Straßen, fehlt.

Daher hat die Bevölkerung in diesen Regionen kaum Zugang zu Gesundheitsstationen, Schulen, Märkten und vielem mehr. Besonders fehlt den Bäuerinnen und Bauern die Anbindung an legale Märkte. Kleinbauernfamilien haben daher oft keine Alternative zum Anbau illegaler Drogenpflanzen. 

Immer mehr Länder kümmern sich

Im Zuge der Zusammenarbeit mit Deutschland haben zum Beispiel Ecuador und Myanmar Alternative Entwicklung in ihre nationalen Drogenstrategien und Aktionspläne aufgenommen. Kolumbien hat seine Strategie der Alternativen Entwicklung neu ausgerichtet und um Umweltaspekte erweitert.

Neben den Mitteln aus der internationalen Zusammenarbeit wenden Kolumbien und Peru mittlerweile erhebliche eigene Summen auf, um damit den Kaffee- oder Kakaoanbau in entlegenen Regionen zu fördern.

Aktuell haben sich 87.000 Familien in Kolumbien in Abkommen mit der Regierung darauf geeinigt, an einem Programm zur Alternativen Entwicklung teilzunehmen, im Rahmen des Friedensprozesses nach dem Ende des Bürgerkriegs. Mehr als 32.000 Familien haben bereits technische Unterstützung erhalten, um auf alternative, legale Einkommensquellen umzusteigen und so langfristig vom Kokaanbau loszukommen.

 
 

Mythos 5: „Frauen bauen keine Drogenpflanzen an.“

 
 

Beim Anbau von Schlafmohn oder Koka spielen Frauen eine wichtige Rolle. Sie sind von der Aussaat bis zur Ernte intensiv beteiligt und kümmern sich zusätzlich noch um Haushalt, Kinder und Familie. Sie tragen damit doppelt Verantwortung.

Trotzdem haben Frauen im Vergleich zu Männern in Drogenanbauregionen deutlich weniger Zugang zu Ressourcen und Gütern wie Landrechten und Einkommen. Außerdem sind sie oft bei Entscheidungsprozessen in der Familie oder ihren Dorfgemeinschaften benachteiligt.

Zusätzlich organisieren sie maßgeblich die Ernährungssicherung der Familie und verfügen über wertvolles Wissen über natürliche Ressourcen. Für den Ansatz der Alternativen Entwicklung sind Frauen daher der Schlüssel zu nachhaltiger ländlicher Entwicklung.

Empowerment mit Erfolg: Frauen mobilisieren sich in La Asunta

Die Gemeinde La Asunta liegt in der Region Yungas in Bolivien. In dieser Gegend bauen die Familien legal Kokapflanzen für den traditionellen Konsum des Kokablatts an. Die Frauen sind hier aufgrund der Rollenverteilung der Geschlechter vielfältig benachteiligt. Das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) in Bolivien förderte im Auftrag des BMZ vier Jahre lang die Teilhabe von Frauen in allen Prozessen von der Entscheidungsfindung in der landwirtschaftlichen Produktion bis zur Vermarktung von Kaffee und regionalen tropischen Früchten.

Heute vertritt die Vorsitzende der Frauenvereinigung von La Asunta die Interessen der Frauen. Sie engagiert sich für mehr Rechte von Frauen und Mädchen durch bessere Ausbildungsmöglichkeiten, eine stärkere Beteiligung an wirtschaftlichen Prozessen, mehr Mitspracherechte bei Entscheidungsprozessen und die Übernahme von Führungsrollen.

 
 

Mythos 6: „Alternative Entwicklung bringt doch nichts“

 
 
Alternative Development – a waste of time and money?

Alternative Entwicklung setzt an den Ursachen des illegalen Anbaus an. Der nachhaltige Lösungsansatz hat das Potenzial, abgehängte Drogenanbaugebiete langfristig zu verändern und die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern.

Entgegen einer verbreiteten Annahme besteht ein großes Interesse bei betroffenen Kleinbauernfamilien, ihre Lebensgrundlage auf legale Füße zu stellen. Denn wer Koka oder Schlafmohn anbaut, ist einem sind oftmals hohen finanziellen und persönlichen Risiko ausgesetzt. Dass ihre Pflanzen zerstört werden, dass sie Gewalt oder Vertreibung erleiden oder dramatische Einkommensverluste hinnehmen müssen, gehört zum Alltag der Kleinbauernfamilien. Gleichzeitig verdienen sie im Durchschnitt meist weniger als Familien, die legale Pflanzen anbauen.

Den Willen zur langfristigen Veränderung greift Alternative Entwicklung auf und trägt somit zu einem nachhaltigen Wandel in den Regionen bei, in denen Drogenpflanzen angebaut werden.

Alternative Entwicklung, als Teil integraler ländlicher Entwicklung:

  • verbessert die Lebensbedingungen kleinbäuerlicher Familien 
  • schafft wirtschaftliche Alternativen zum Drogenpflanzenanbau 
  • stärkt die Rechte von Frauen 
  • schließt Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zusammen und organisiert den Zugang zu legalen Märkten
  • sichert die Ernährung und schafft Zugang zu Basisdienstleistungen
  • nutzt Böden und Wald nachhaltig
  • stärkt lokale Verwaltungsstrukturen und beteiligt die Bevölkerung
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